Karriere im Kinderzimmer

Ein Manuskript, das schon eine weite Reise hinter sich hat.

Jetzt ist es endlich da, wo es hingehört: zwischen zwei Buchdeckel.

Von Wohnort zu Wohnort ist es mitgezogen - und dabei beinahe verloren gegangen.

Wie gut, dass es die gute alte Papierversion noch gab!


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1 Uhr 45: Ein gellender Schrei zerreißt die Nacht. Ich fahre hoch, aus tiefstem Schlaf gerissen, orientierungslos, verwirrt. Mein Herz rast.

 

„Mama! Mama, komm! Mir piekt‘s hier so!“

 

Felix! Nein, nicht schon wieder! Nein, ich will nicht! Mit einem lauten „Nein, bitte nicht“ lasse ich mich in die weichen, warmen Kissen zurückfallen.

 

„Mama, komm!!“

 

Ich verstecke mich unter der Bettdecke. Ist das kusche­lig hier.

 

 „Maaaammmaaaa!“

 

 Was? Was ist los? Ach ja, ich soll aufstehen.

 

 Ein leises Schnarchen gleich neben meinem rechten Ohr lässt mich wissen, dass mein Mann nicht daran denkt, seine schweren Lider zu heben, die kuschelweiche Decke zu lüften und den unvermeidlichen Weg ins Kinderzimmer anzutreten.

...

 

 

 



Zipfels neuer führungsstil

„Einen wunderschönen guten Morgen allerseits!“

Mit weitausgreifenden Schritten durchmaß Niederlassungsleiter Christoph Zipfel den langgestreckten Flur der kleinen Vertriebsfiliale. Das Rattern seines für einen normalen Bürotag viel zu großen Rollkoffers hallte von den Wänden wider und schreckte die Belegschaft auf. Der Chef war wieder da!

 Dieser steckte den Kopf in jedes Mitarbeiterbüro, nickte hier seiner Office Managerin freundlich zu und blickte dort wohlwollend dem jungen Vertriebskollegen über die Schulter, der immer die besten Zahlen brachte.

Christoph Zipfel war ungewöhnlich guter Laune.
Nachdem er im vergangenen Jahr mit seiner kleinen Filiale einen Rekordumsatz erzielt hatte, war die Geschäftsleitung des Konzerns auf ihn aufmerksam geworden und hatte ihn zu einem Mental-Coaching des oberen Führungskreises eingeladen. ...

 

 

 

 

Veröffentlichung im SmartStorys Verlag, Österreich

 

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MItternachts-Spaziergang

Marga griff nach ihrem dunkelblauen Wintermantel. Er war schwer, als sie ihn vom Bügel nahm, schwerer als er sein dürfte, wenn man bedachte, wie dünn er war, viel zu dünn für diese Jahreszeit. Selma hatte ihn früher getragen und ihn ihr geschenkt, als sie seiner überdrüssig geworden war. Er war noch so gut wie neu gewesen damals, zu schade, um ihn in einen dieser Kleidercontainer zu werfen. Also hatte ihn Marga genommen. Auch wenn er eigentlich nicht warm genug war für den Winter, sie fror ja so leicht. Aber sie trug ihn trotzdem, weil es ein guter Mantel war, ein teurer – und weil Selma ihn so gerne an ihr sah.

 

Der Mantel schien sie in die Knie zwingen zu wollen. Was war nur los? ...

 

Experimenta Dezember 2016

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'Flaschenpost

 

Erschienen in der März-Ausgabe der Experimenta

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